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August 2001 Katherine (N.T.)
Sonntag, 22. Juli 2001. Am spaeten Nachmittag erreicht Yvonne ihre Mutter in der Schweiz und erfaehrt dabei, dass ihr Vater Hans in ein paar Tagen operiert werden muss. Genaues sei jedoch noch nicht bekannt. Yvonne telefoniert ihrem Vater, dem es recht gut geht. Gluecklicherweise sind keinerlei Laehmungserscheinungen festzustellen, nur mit dem Sprechen hat Hans ein wenig Muehe. Yvonne und ich buchen fuer eine Nacht beim Shady Lane Caravan Park ein und beraten, was zu tun ist. Yvonne ist sich nicht im klaren, ob sie in die Schweiz fliegen soll. Mit Hilfe von unserem Schwager Ruedi Altermatt melden wir den Fall vorsorgehalber unserer Versicherung in der Schweiz. Durch den ETI-Schutzbrief des schweizerischen Automobilclubs TCS sind wir fuer Reisezwischenfaelle gedeckt. Die Versicherung bezahlt entweder den Flug in die Schweiz und wieder zurueck nach Australien fuer eine Person, oder fuer uns beide den einfachen Flug in die Schweiz. Auf sehr unbuerokratische Weise mittels einem einzigen Telefonanruf in die Alarmzentrale nach Genf erhalten wir gruenes Licht. Wir entscheiden uns, dass wir auf direktem Weg nach Darwin fahren und dort zuwarten, wie sich die Krankheitsgeschichte in der Schweiz entwickelt. Da auch der Operationstermin noch nicht feststeht, buchen wir vorerst noch keinen Flug.
Es ist Mittwoch, der 25. Juli 2001. Die letzten beiden Naechte verbrachten wir auf dem Knotts Crossing Caravan Park in Katherine und sind nun auf dem Weg nach Darwin. Yvonne hat nach diversen Ruecksprachen in der Schweiz entschieden, dass sie vorerst nicht in die Schweiz fliegt. Die Operation soll in etwa einer Woche ueber die Buehne gehen und besteht aus einem Routineeingriff am Hals. Wir werden uns in Darwin bereit halten, damit Yvonne sofort in die Schweiz fliegen koennte, sollten sich Komplikationen oder sonstige negative Entwicklungen ergeben.
Den Hidden Valey Caravan Park in Darwin erreichen wir nach 350 Kilometern gegen Mittag. Eigentlich wollten wir den Nitmiluk National Park mit der Katherine Gorge bei Katherine besuchen, doch verschieben wir dies auf den Rueckweg, weil wir nach dem Kakadu National Park nochmals nach Katherine kommen werden. Wir vertreiben uns die Zeit mit vielen Fahrradtouren in die etwa 15 Kilometer entfernte Innenstadt von Darwin sowie zum groessten Shopping-Centre des Northern Territorys, dem Casuarina Shopping Square. Darwin hat heute etwa 80'000 Einwohner und ist eine moderne Kleinstadt. Waehrend des zweiten Weltkrieges wurde die Stadt durch einen Bombenangriff im Februar 1942 vollstaendig zerstoert. Eine weitere Katastrophe in Darwins Geschichte war der Wirbelsturm Tracy, der am Weihnachtstag 1974 mit fast 300 Stundenkilometern ueber die Stadt fegte und 90 Prozent der Gebaeude zerstoerte. Dabei starben 65 Menschen. Heute ist von den Schaeden praktisch nichts mehr zu sehen.
Der Mindil Beach Sunset Market ist fuer uns ein "must". Unzaehlige Essensstaende und der Souvenir- und Handicraftmarket sind wirklich einen Besuch wert. Auch Yvonne und ich schlemmern wie die Wilden und lassen uns die indischen und thailaendischen Currys, garniert mit einem fantastischen Sonnenuntergang, schmecken.
Yvonnes Vater wird am 31. Juli 2001erfolgreich operiert. Wir wollen noch etwa eine Woche in Darwin bleiben, bis sich der Gesundheitszustand von Hans stabilisiert hat.
Am Montag, dem 6. August 2001, besuchen wir das bedeutenste Pferderennen des Northern Territory, den Darwin Cup. Es ist ueber 30 Grad heiss, und unter einem stahlblauen Himmel verfolgen wir die spannenden Rennen. Vor allem die australischen Damen sind wie aus dem Bilderbuch gekleidet, die meisten mit grossen Sonnenhueten, und schlendern von einer Champagner-Bar zur andern. Wie immer stillt sich Yvonne ihren Durst mit amerikanischem Champagner, besser bekannt als "Coke", und ich passe mich den Aussies an und lasse einige Buechsen mit eiskaltem VB den Hals hinunter.
Mittwoch, 8. August 2001. Yvonne erfaehrt von ihrem Vater, dass es ihm gut geht und Ende dieser Woche nach Hause entlassen wird. Also koennen auch wir mit gutem Gefuehl Darwin den Ruecken kehren und unsere Reise in den Kakadu National Park fortsetzen.
Der Kakadu National Park wurde wie schon die Shark Bay in die Liste der World Heritage Areas aufgenommen. Der Park liegt etwa 200 Kilometer oestlich von Darwin und erstreckt sich ueber ein Gebiet von 20'000 Quadratkilometern. Die meisten Strassen sind geteert und gut zu befahren. Auf dem Arnhem Highway steuern wir Richtung Jabiru. Vor dem Parkeingang beim Adelaide River wirbt ein Schild mit "the original famous jumping crocodiles". Waehrend der anderthalbstuendigen Fahrt mit der Adelaide River Queen erhalten wir die Gelegenheit, Salzwasserkrokodile aus naechster Naehe zu beobachten. Die Biester sind teilweise ueber vier Meter lang. Die Tour ist zwar sehr touristisch, aber auch sehr eindrucksvoll und deshalb zu empfehlen.
Am naechsten Morgen passieren wir den Eingang zum Kakadu National Park und bezahlen den Eintrittspreis von AUD 16.25 pro Person. Waehrend den folgenden drei Tagen erkunden wir den Park und sind begeistert. Yvonne und ich waren vor ueber zehn Jahren zum letzten Mal hier. Der Kakadu National Park besticht durch fantastische Landschaften, von den wild-rauhen Sandsteinflanken des Hochplateaus ueber die weitlaeufigen Waldgebiete bis hin zu den ausgedehnten Feuchtgebieten. Er enthaelt auch eine der schoensten und umfangreichsten Felsmalereien der Ureinwohner. Fuer uns sind der Ubirr mit den Felsmalereien und der grossartigen Aussicht, der Angbangbang Billabong mit seinen Wasserlilien und einer grossen Anzahl von Wasservoegeln sowie eine Fahrt auf dem South Alligator River bei Yellow Water mit Monstern von Krokodilen nur einige der vielen Hoehepunkte. Die hervorragenden Campingplaetze im Park bieten Toiletten, heisse Duschen und Feuerstellen, jedoch keinen Strom, und kosten pro Person AUD 5.40 pro Nacht.
Bei Pine Creek endet der Kakadu Highway und muendet in den Stuart Highway. 42 Kilometer nordlich von Katherine biegen wir links ab und erreichen nach weiteren 19 Kilometern Edith Falls. Die Wasserfaelle liegen am westlichen Ende des Nitmiluk National Parks und sind fuer Yvonne und mich ein absoluter Top-Spot. Wir uebernachten auf dem Nationalpark-Campingplatz und wandern in knapp einer Stunde zum obersten von drei verschiedenen Suesswasserpools. Die Aussicht ist ueberwaeltigend und ein Bad im kuehlen und kristallklaren Wasser kaum mehr zu ueberbieten.
Am 14. August 2001 buchen wir auf dem gleichen Stellplatz Nummer 343 des Knotts Crossing Caravan Parks in Katherine fuer eine Woche ein. Auf dem Programm steht das Nachfuehren der Tagebuecher und viel Arbeit am Verfassen des neuen Buches. Auch haette Waltzing Matilda kaum etwas gegen eine sorgfaeltige Waesche einzuwenden... Anschliessend wollen wir den verpassten Besuch der Katherine Gorge nachholen und dabei mit einem Helikopter ueber die wunderschoene, tiefe Schlucht fliegen. Doch es sollte auch dieses Mal anders kommen!
Am Morgen des 18. August 2001, 01.15 Uhr, erwachen wir ploetzlich mit einem Riesenschreck, steht doch vor uns im Wohnmobil ein Aboriginal. Sofort nach unserem Erwachen fluechtet der Ureinwohner und alle unsere Wertsachen sind weg...




