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Oktober 2001 – Cairns (QLD)

Am 28. August 2001, nach gut 300 Kilometern seit Saunders Beach, fahren wir um die Mittagszeit in Cairns ein. Die freundlichen Mitarbeiter des Cairns Coconut Caravan Resorts begruessen uns wie alte Freunde. Auch ist "unser" Stellplatz Nr. 1 verfuegbar, und wir buchen gleich fuer drei Wochen ein. Der einzige Fuenfstern-Campingplatz in Australien liegt etwa 10 Kilometer suedlich des Zentrums und bietet jeden Luxus. Grosser Swimming-Pool, Tennisplatz, Minigolf, Tischtennis, Volleyball, Kinderspielplatz, Bustransfer in die City von Cairns, alles im Uebernachtungspreis von AUD 28.00 pro Nacht inbegriffen. Mit dem Big4-Mitgliederausweis und dem Wochenpreis bezahlen wir noch AUD 24.00 pro Nacht, was beim momentanen Wechselkurs gut CHF 20.00 bedeutet.

Cairns mit seinen ueber 100'000 Einwohnern ist die Hauptstatdt von Far North Queensland und liegt in den Tropen. Nebst einem Riesenangebot von Restaurants und Souvenirgeschaeften verwundert es nicht, dass Cairns, welches mehr oder weniger vom Tourismus lebt, eine Vielzahl von Ausfluegen anbietet. Die vorgelagerten Green- und Fitzroy Islands und vor allem das nahe Great Barrier Reef sollte man auf keinen Fall auslassen. Auch das Atherton Tableland im Landesinnern auf einer durchschnittlichen Meereshoehe von 600 Metern ist ein Besuch wert. Das einzige, was in Cairns immer noch fehlt, ist ein Strand. Doch an diesem wird zurzeit gearbeitet, denn in der Naehe des Piers entsteht eine kuenstliche Lagune mit einem Strand.

In Cairns nutzen wir immer unsere guten Verbindungen, um anstehende Kleinigkeiten zu reparieren oder Waltzing Matilda mit jenem und diesem auszubauen. Einige der vielen Schweizer, welche nach Cairns ausgewandert sind, zaehlen wir heute zu unseren Freunden und freuen uns natuerlich jedes Jahr auf ein Wiedersehen. Marlies und Bruno, welche ueber 10 Jahre lang das Restaurant Swiss Inn gefuehrt haben, besitzen nun in Edge Hill das wunderschoene Bed & Breakfast "Kooka’s" mit 4 Gaestezimmern. Sie laden uns gleich ein, nach dem Aufenthalt auf dem Coconut Caravan Resort, zu Ihnen umzuziehen und dort fuer ein paar Wochen zu wohnen. Gerne nehmen wir das Angebot an und goennen Waltzing Matilda eine Pause.

In der Zwischenzeit sind auch die gestohlenen Dokumente des Ueberfalls in Cairns eingetroffen. Die Polizei in Cairns haendigt mir das Couvert von den Kollegen in Katherine aus. Gluecklicherweise sind alle Dokumente dabei, was uns einen Riesenaerger erspart.

Peter Lustenberger, alias "Lusti", und "Chlaeusu" fuehren in Cairns eine Schreinerei namens "Matterhorn Cabinets". Wir nuzten die Gelegenheit und motzen bei den beiden Schreinern das Innenleben von Waltzing Matilda auf. Auf dem Programm steht die Neugestaltung des "Unterhaltungskasten", in welchem sich Fernseher, Video, Computer, Drucker usw. befinden, sowie (endlich) vier Auszuege fuer unsere ueber 100 CDs. Ferner beauftragen wir die "Swiss-Guys", einen neuen, ausziehbaren Tisch und anstatt eines Rollos ein Tuerchen als Verbindung vom Innenraum zur Fahrzeugkabine anzufertigen.
Und nicht zuletzt haben wir uns entschlossen, nun doch eine Klimaanlage einzubauen. Vielleicht liegt es am Alter, denn bei Nachttemperaturen von ueber 25 Grad schlafe ich nicht mehr gut. Noch vor wenigen Jahren war dies kein Problem. Doch seit dem vierzigsten Geburtstag letztes Jahr ist dies ein wenig anders..., und Yvonne wird naechstes Jahr auch schon so viele Jaehrchen auf dem Buckel haben! Wir bestellen eine Electrolux MK1, welche mit AUD 1'770.00 (CHF 1'300.00) und dem seit dem Terroranschlag in den USA am 11. September 2001 aeusserst tiefen Wechselkurs fast um die Haelfte billiger ist als in der Schweiz. Lusti baut die Klimaanlage am Vormittag seines vierzigsten Geburtstags ein. Am Nachmittag organisiert seine Frau Christine eine kleine Feier in der Schreinerei, wo wir wiederum viele ausgewanderte Europaer kennenlernen. Ich packe wieder einmal die Handorgel aus und begluecke die Gaeste mit dem Kufsteinerlied, dem Zillertaler Hochzeitsmarsch und Frau Kuentzi.

Und dann die herrlichen Tage mit Karl Kaegi! Unser liebe Freund Karl besitzt hier das kleine aber feine Unternehmen "Sea Eagle Adventures" und bietet Rundfluege sowie Outbackfahrten mit seinem Mitsubishi Pajero an. Bei seiner eigenen Cessna hat Karl vor kurzem einen neuen Motor eingebaut und ladet uns zu Testfluegen ueber das Great Barrier Reef sowie das Atherton Tableland ein. Mit dem Pajero unternehmen wir zu dritt einen Tagesausflug ins Hinterland von Cairns. Bei Mareeba, nachdem wir auf dem Golfplatz hunderte von grauen Kaengurus bestaunt haben, faehrt uns Karl Richtung Westen. Bereits nach wenigen Kilometern bestimmt "plenty of nothing" (woertlich uebersetzt: viel nichts) die Szenerie des Outbacks. Es sieht hier beinahe wie im Northern Territory aus, doch sind wir nur gut anderthalb Fahrstunden von Cairns entfernt. Mit dem Kanu zeigt uns Karl ausserdem ein Adlernest, und Yvonne und ich koennen zwei stolze Seeadler beobachten.

Wir sind bereits wieder 6 Wochen in Cairns, und Karl bietet uns einen weiteren Hoehepunkt. Er demontiert bei seiner Cessna die rechte Tuere und ermoeglicht uns damit optimaleVoraussetzungen fuer fantastische Foto- und Videoaufnahmen. Wir muessen uns zuerst an den Laerm und den Wind gewoehnen, doch bereits nach wenigen Flugminuten kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Green Island, die verschiedenen Riffs und viele Ausflugsboote sind zum Greifen nah. Durch die fehlende Tuere und den freien Blick meint man sich wie in einem Aquarium. Es scheint auch fast so, dass sich im Meer ueberhaupt kein Wasser befindet, so klar ist die Sicht. Eine Riesenerfahrung reicher landet Karl eine Stunde spaeter sicher auf dem Internationalen Flughafen von Cairns. Vielen Dank – Karl!

In der folgenden Wochen unternehmen wir einen Bootsausflug aufs Great Barrier Reef und tuckern mit der historischen Eisenbahn nach Kuranda. Fuer die Rueckfahrt nach Cairns steigen wir in eine Gondel der 7,5 Kilometer langen Luftseilbahn, welche lautlos ueber den Regelwald schwebt.
Auch meldet sich Karl kurzfristig und ladet mich (schon wieder) ein, mit ihm ein japanisches Touristenpaar nach Lizard Island zu fliegen. Der Flug dauert gut eine Stunde pro Weg und wird natuerlich zu einem weiteren Topspot. Das Resort auf Lizard Island gehoert zu den exklusivsten und teuersten Anlagen des Great Barrier Reefs mit Uebernachtungspreisen ab AUD 1'000.00 pro Nacht! Um die Privatsphaere der Gaeste auf Lizard Island zu garantieren darf das Resort und der groesste Teil der Insel von Tagestouristen nicht besucht werden. Auch Karl und ich muessen kurz nach der Landung und einem Kaffee beim Flugzeug wieder abheben. Captain Kaegi fliegt fuer mich eine Runde ueber Lizard Island und zeigt mir diese atemberaubende Ferieninsel: "If I were a rich man..."

Heute ist Samstag, der 20. Oktober 2001. Wir sitzen auf der Veranda des "Kooka’s" und geniessen das Leben. Yvonne arbeitet bereits an Weihnachtsueberraschungen fuer unsere Patenkinder, und ich aktuallisiere unsere Homepage und schreibe am neuen Buch. Bei Lusti werden wir naechsten Donnerstag noch ein paar Auszuege in der Kueche von Waltzing Matilda auswechseln und uns dann langsam aber sicher von Cairns und den lieben Freunden fuer dieses Jahr verabschieden. In zwei Monaten ist bereits Weihnachen – Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.